Anfrage: Kreislaufwirtschaft bei Seltenerd-Metallen

Anfrage zur direkten Überweisung in den Ausschuss für Umwelt und Energie

andreahuyoff/pixabay

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Wir fragen den Magistrat:

  1. Wie hat sich der Gehalt an Seltenerd-Metallen an den gesammelten Wertstoffen entwickelt?
  2. Welche Seltenerd-Metalle kommen besonders häufig vor?
  3. Wo fallen diese Seltenerd-Metalle an?
  4. Welche Mechanismen bestehen, um die aufwendig gewonnen Seltenerd-Metalle in den Rohstoffkreislauf zurückzuführen?
  5. Gibt es Planungen solche Mechanismen auszubauen? Wenn ja, welche?
  6. Welche Möglichkeiten sieht die Stadt die Mengen an Elektroschrott zu erhöhen?
  7. Welche Alternativen können neben der Container-Sammlung aufgebaut werden?

    Stellungnahme Dezernat VI über III:

    Es wird vorgeschlagen, wie folgt zu antworten:

    Zu 1.:

    In der Regel bestehen die Elektro- und Elektronikaltgeräte überwiegend aus Metallen und Kunststoffen. Bei den Metallen dominiert der Anteil an Kupfer, Aluminium, Ferro-und Nichteisen-Metallen. Die Edelmetalle und Seltenerd-Metalle die im Wesentlichen auf den Leiterplatten u. ä. verbaut sind — machen in Summe einen Anteil von 1% bis 7% des Materials aus.

    Hierzu könnten ggf. Hersteller und Verwertungsanlagen Daten bereitstellen.

    Zu 2.:

    Zunehmend wird.die Bedeutung der Altgeräte als Rohstoffquelle erkannt (s. g. Urban Mining). So enthält z. B. eine Tonne Handys bis zu 300 g Gold und damit ca. 60 x mehr als eine Tonne Golderz. Zudem werden in Handys neben den Hauptkomponenten Silizium, Eisen, Kupfer auch (sehr) geringe Mengen der Elemente Silber, Tantal, Germanium und Niob sowie einige Metalle der sogenannten Seltenen Erden (Selten-erd-Metalle) wie Europium oder Yttrium verbaut. Andere Elektro- und Elektronikgeräte enthalten neben Aluminium, Palladium oder Indium die Seltenerd-Metalle, so wird beispielsweise

    • Yttrium in LCD- und Plasmabildschirmen,
    • Indium und Gallium in Photovoltaikmodulen,
    • Lanthan und Lithium in neuartige Batterietypen für Elektroautos,
    • Neodym in Windkrafträder, Elektromotoren sowie Festplatten, :
    • Thulium und Holmium in Medizin- und Röntgentechnik,
    • Samarium und Thulium in Festplatten,

    verbaut.

    Zu 3.:

    Verhältnismäßig große Mengen an Seltenerd-Metallen und Edelmetalle befinden sich in Handy’s und Smartphones, somit steckt im Recycling dieser Geräte ein erhebliches Potenzial.

    Zu 4.: ;

    Die Recyclingtechnologie zur Rückgewinnung der Seltenerd-Metalle steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Hier muss auf die Produktverantwortung der Hersteller verwiesen werden, d. h. möglichst wenige Seltenerd-Metalle zu verbauen. Zudem müssen die Geräte so konstruiert werden, dass sich die einzelnen Komponenten demontieren lassen — eine Verschmelzung in / mit Kunststoff ist hier kontraproduktiv. Wie konsequent die Produktverantwortung — die im Übrigen sowohl im Kreislaufwirtschaftsgesetz (8 23) als auch im Elektro- und Elektronikgerätegesetz (§ 4) verankert ist tatsächlich umgesetzt wird, können die Stadtreiniger nicht sagen, da ein Zerlegen der Elektro- und Elektronikgeräte auf den Recyclinghöfen vom Gesetzgeber her verboten ist.

    Zu 5.:

    Die Stadtreiniger Kassel nehmen die Elektro- und Elektronikaltgeräte lediglich an, sortieren diese in die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Sammelgruppen / -einheiten und lassen die Geräte über das Zentrale Register „stiftung elektro-altgeräte register-ear“ abholen. Die ear koordiniert und organisiert die gesamte Rücknahmelogistik und die Zuweisung in die Erstbehandlungsanlagen / Verwertungsbetriebe. Es besteht keine abfallrechtliche Nachweispflicht für den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger, selbige greift erst ab der Erstbehandlung. Somit verfügen die Stadtreiniger über Daten der Sammelmenge, jedoch keine Daten über Recyclingquoten bzw. Stoffströme der einzelnen Komponenten der demontierten Elektro- und Elektronikaltgeräten.