Rede von Matthias Nölke zum documenta-Institut

Matthias Nölke

Matthias Nölke (FDP)

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Stadtverordnete, sehr geehrte Damen und Herren auf der Empore,

um es gleich vorweg zu sagen: Die FDP und meine Fraktion mit FW und Piraten hängt nicht an allen Parkplätzen auf dem Karlsplatz, was uns im Ausschuss letzte Woche ja unterstellt wurde. Auch wir könnten uns für den Karlsplatz eine ansprechenderer Gestaltung vorstellen, mit mehr Grün und vielleicht mit dem ein oder anderen Brunnen.

Verwundert war ich, dass diese Anregungen einer Verschönerung damit abgetan wurden, es gäbe ja in unmittelbarer Nähe mit dem Friedrichsplatz einen wunderschönen Platz. Denn abgesehen von den Menschen auf den paar Bänken dort wirkt es selten so, dass der Friedrichsplatz eine hohe Aufenthaltsqualität oder Anziehungskraft bietet. Zumal er auch oft, wie jetzt gerade wieder, als Veranstaltungsfläche belegt ist und jedes Mal im Anschluss aussieht wie ein Truppenübungsplatz.

Der Königsplatz steht auch meistens unter Wasser, und die neu gestaltete Königsstraße wirkt als „beste Meile“ im „besten Zuhause“ mit ihrem Grau in Grau auch nicht wirklich einladend. Aber vermutlich sollte mit diesem Friedhofscharme, den die Königsstraße jetzt versprüht, das Sterben des Einzelhandels in der Innenstadt symbolisch aufgegriffen werden. Jedenfalls könnte ein begrünter und neu gestalteter Karlsplatz deutlich mehr Aufenthaltsqualität schaffen.

Zum documenta-Institut selbst begrüßen wir grundsätzlich, wenn es zeitnah voran geht. Auch die Einigung zwischen Land Hessen, Stadt Kassel, Universität und documenta GmbH über die inhaltliche Ausrichtung lässt hoffen. Der Karlsplatz als künftiger Standort jedoch leider nicht.

Meine Damen und Herren, man kann vielleicht darüber streiten, was in der Welt bekannter ist: Unsere Stadt oder unsere documenta. Auf jeden Fall haben wir mit dem Neubau eines documenta-Instituts die Chance, ein architektonisches Ausrufezeichen zu setzen, welches nicht nur in der Kunstszene weltweit wahrgenommen werden kann. Ähnlich wie mit dem Guggenheim Museum in Bilbao oder der Elbphilharmonie in Hamburg. Ein solches Gebäude sollte freistehend und auch von Weitem bereits zu erkennen sein. Sofern auf dem Karlsplatz kein schmaler Hundert Meter hoher Turm errichtet wird, sehe ich dieses Potential dort nicht. Des Weiteren darf bereits jetzt bezweifelt werden, ob dort auf Dauer genügend Platz für Erweiterungen vorhanden sein wird. In der Liste der geprüften Standorte galt beim Holländischen Platz die Grundstücksgröße von rund 3000 qm noch als „Schwäche“, die 2000 qm beim Karlsplatz jedoch nicht mehr. Hier widerspricht sich die Verwaltung selbst.

Auch hat eine Bebauung dort wenig mit der viel zitierten Stadtreparatur zu tun. Das würde bedeuten, die historischen Strukturen aufzugreifen. Aber ein Neubau ohne entsprechende städtebauliche Vorgaben und noch dazu in dem geplanten Volumen und als Solitär würde die Strukturen der Oberneustadt eher weiter zerstören, anstatt Stadtreparatur zu betreiben.

Von den geprüften Standorten könnten wir uns am ehesten einen der Parkplätze entweder neben dem Ottoneum oder neben dem Regierungspräsidium vorstellten. Dort könnte ein Neubau wesentlich besser wirken und es gäbe auch mehr Platz für mögliche Erweiterungen.

Mein Favorit wäre ja der Rosenhang an der Schönen Aussicht, der jedoch überhaupt nicht als Standort geprüft wurde. Dort könnte man einen echten Balkon in die Aue bauen, der auch von vielen Seiten wahrgenommen werden könnte. Auch dort würde ein Gebäude im Zentrum zwischen Fridericianum, GrimmWelt, Neue Galerie und Rathaus stehen. Aber dazu hieß es, dass diese Stelle ausscheiden würde, weil die Fläche dem Land Hessen gehört und der Untergrund zu schwierig sei. Allerdings gehört der Parkplatz neben dem RP auch dem Land und dieser wurde ja geprüft. Und laut einem Bekannten, der am Bau des Boleros beteiligt war, ist der Untergrund zwar schwierig, aber durchaus nicht unmöglich.

Und auch beim Karlsplatz ist man ja anscheinend keineswegs sicher, was man dort im Untergrund alles finden wird und am Ende die baulichen Möglichkeiten ggf. einschränken kann. Aber nun hat man sich auf den Karlsplatz festgelegt, nachdem monatelang der Standort Holländischer Platz als gesetzt galt und zeitlich Druck gemacht wurde. Von den Plätzen, die am Ende übrig waren, wurde somit jetzt zielsicher der einzige Platz ausgewählt, bei dem Anwohner und Geschäftsleute direkt und unmittelbar betroffen sind. Deren Bedenken werden lapidar vom Tisch gewischt, indem man verspricht, dass dort ein ganz toller Bau entstehen würde. Dabei ist die Entscheidung über den Standort hier und heute nichts anders als ein Freibrief ins Blaue, bei dem niemand weiß, was uns da am Ende für ein Gebäude erwartet. Viel besser wäre ein innerstädtischer Gestaltungswettbewerb gewesen, bei dem es mehrere Entwürfe für mehrere Standorte gegeben hätte, so dass wir über Standort UND Gebäude entscheiden könnten.

Da dies aber nicht der Fall ist, und meine Fraktion den Karlsplatz aus den genannten Gründen mehrfach für ungeeignet hält, und weil man das ganze Verfahren der Entscheidungsfindung durchaus als unglücklich bezeichnen kann, können wir dieser Vorlage leider nicht zustimmen.