Rede zum documenta-Institut (Volker Berkhout)

Volker Berkhout

Volker Berkhout (Piraten)

Rede zum documenta-Institut von Volker Berkhout (Piraten) in der Stadtverordnetenversammlung am 11.05.20
(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,
sehr geehrte Gäste!

Ziemlich genau ein halbes Jahr ist es her, dass die rot-grüne Zwangsjacken-Koalition in der Stadtverordnetenversammlung im Dezember geplatzt ist und das documenta-Institut vor einer ungewissen Zukunft stand.

Und der Bruch dieser Koalition war und ist gut für das politische Leben in Kassel. Plötzlich geht es wieder um die Sache. An verschiedenen Stellen haben wir bereits Mehrheiten gesehen, die vorher unmöglich erschienen, etwa bei der Entscheidung für die Prüfung des Einsatzes freier Software in der Verwaltung.

Gleichzeitig hat sich aus diesem Bruch die Chance ergeben, die Stadt-gesellschaftliche Debatte um den Standort zu vertiefen und dazu hat die Bürgerversammlung einen wichtigen Beitrag geleistet. Tatsächlich war ich im Dezember noch gegen den Standort am Karlsplatz. Das lag insbesondere an dem Volumenmodell, an den gesammelten Unterschriften und sicher auch an der klassischen Rollenverteilung zwischen Koalition und Opposition.

Für mich ist aber mit der Bürgerversammlung deutlich geworden, dass der geforderte Raum auf der Grundfläche des Karlsplatzes realisiert werden kann und dabei genügend Freiraum für die Architekten und Planer lässt, um ansprechende Lösungen für die Integration in die bestehenden Strukturen zu finden. Die guten Erfahrungen mit den Entwürfen zum Grimm-Museum stimmen mich da zuversichtlich.

Auch beim Vergleich der Alternativen ist deutlich geworden, dass die Standorte auf der anderen Seite des Steinwegs deutlich geringeren Bezug zu den Haupt-Orten der documenta hätten, sodass nur einzig der Standort hinter der Torwache eine Alternative zum Karlsplatz darstellt. Auch an diesem Standort war ich in den vergangenen Monaten mehrmals. Und während die Sichtbarkeit im Stadtbild dort tatsächlich besser wäre, hat mich der Platz dennoch nicht überzeugt, besser geeigneter zu sein, als der Karlsplatz.
Es ist kein einfacher Lückenschluss, sondern es erfordert eine ebenfalls ähnlich anspruchsvolle Konzeption wie beim Karlsplatz, um mit der Torwache, dem Nachbargebäude und der Hinterhofsituation am Fuß des Hanges umzugehen. Dabei fehlt aber die besondere Lage in der direkten Nähe zum Fridericianum.

Ich bin also zum Ergebnis gekommen: Der Karlsplatz ist der beste Standort.

Hinzu kommt, dass es aktuell auch nicht klug wäre, angesichts der wachsenden weltweiten wirtschaftlichen Unsicherheiten und Risiken, dieses wirklich wichtige Projekt für die documenta Stadt Kassel weiter auf die lange Bank zu schieben.

Nun haben die Anlieger und Unternehmer am Karlsplatz verschiedene Sorgen, die nachvollziehbar und berechtigt sind. Und ich hätte mir gewünscht, dass es bereits ein regelmäßiger Austausch mit den Anliegern stattgefunden hätte. Natürlich beeinträchtigt es die Geschäfte, wenn ein so großer innerstädtischer Parkplatz wegfällt und eine so große Baustelle wird nach der Sanierung des Rathausflügels weitere Einschränkungen mit sich bringen. Deswegen erwarte ich vom Magistrat konkrete Zusagen, dass diese Interessen der Anlieger im Planungsprozess berücksichtigt werden.

Insbesondere für die Parksituation müssen hier Lösungen gefunden werden. Das kann von Kurzzeit-Parkraum, über eine Mitnutzung des Parkraums am Rathaus bis hin zu temporären Parkflächen während der Bauzeit reichen. Ich denke, hier sind Lösungen möglich, wenn sich alle konstruktiv an einen Tisch setzen.

Aber auch bei der Festlegung der Rahmenbedingungen für die Ausschreibung des Realisierungswettbewerbs müssen die Belange der Anlieger einfließen.

Wenn es einmal steht, wird das documenta Institut am Karlsplatz eine wichtige Bereicherung für die Innenstadt sein. Es wird in zentraler Lage der Stadt die Bedeutung und Wirkung der documenta aufarbeiten. Es wird die documenta im Kern der Stadt verankern und Kassel als Standort für die wichtigste zeitgenössische Kunstausstellung der Welt als Kulturstadt stärken.